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  • PflanzenSchrift 106; Kammeuphorbie, 17.7.2000



    Vorwort zur Publikation
    "PflanzenSchrift - subdialogische Pflanzenzeichnung"
    Kulturstiftung Schloß Agathenburg
    Agathenburg, 1999

    Subdialogisch, subversiv, subtil
    von Paolo Bianchi

    Die Philosophie einer Pflanzenschrift, wie sie Harald Finke vorschwebt, will nicht einfach die Schrift neu erfinden. Vielmehr geht es darum, die Differenzierungskraft der Schrift mit der neuen Methode des Subdialogs herzustellen, indem der Künstler auf die verborgene Schrift der Natur, auf etwas Abwesendes verweist. Im Verweisgefüge seiner „PflanzenSchrift“ wird der Mensch zum Teil eines Textes, über den er nicht urteilen kann, insofern diese subjektlos generierte Urschrift ein die Welt erschließendes Denken ermöglicht.
    „PflanzenSchrift“ behandelt ebenfalls das Verhältnis von Kunst, Natur und Mensch. Dabei kommt nicht ein Anthropozentrismus zum Zug, der sich den Menschen als „Krone der Schöpfung“ und damit als „Besitzer“ der Erde vorstellt, sondern, im Gegenteil, eine Anthropopoiesis, die eine gedoppelte Figur vorschlägt:

     

    PflanzenSchrift 184; Hollunder, 26.9.2004



    Der Mensch ist Mensch für sich, indem er sich in einem langen, kulturellen Prozess selbst zu erschaffen sucht; Er ist aber ebenso ein Geschaffener, der im Reich des Lebens und des Lebendigen einen eigenen Platz eingeräumt erhält. Dieser Sonderstellung des Menschen als Geschaffenem und sich selbst Schaffendem widmet sich das Projekt „PflanzenSchrift“.

    Diese konzeptuelle künstlerische Praxis zwischen Eremit, Forscher und Sozialarbeiter versucht hinter den Schleier des Nichtwissens zu blicken. Als Künstler sucht Finke nach Geheimnissen, die er lüften kann, um dahinter wieder neue Geheimnisse zu entdecken - eine Entdeckungsreise ohne Ende.
    Die beiden Elektrodrähte am Gliederkaktus hinterlassen eine Urspur im PC-Rechner: Die Befindlichkeit der Pflanze? Staunend folgt Finke mit der Maus den auf dem Bildschirm erscheinenden Zeichen.
    „PflanzenSchrift“ und „ParallelZeichnung“ überschreiten ästhetische Kategorien wie „das Schöne“ oder „das Erhabene“ und berichten vielmehr von der Natur der Schönheit, also davon, dass hinter dem Bekannten unendlich viele unentdeckte Welten liegen, für die unser Vorstellungsvermögen nicht ausreicht.

     

    PflanzenSchrift 189; Drachenbaum, 29.9.2004



    Finkes Versuchsanordnung erinnert an Goethes Hoffnung, „das man sich alle Pflanzengestalten vielleicht aus einer entwickeln könne“. Auch wenn Goethe im öffentlichen Garten von Palermo nach der „Urpflanze“ gesucht hat, sie also in der Realität vorzufinden hoffte, ging es ihm letztlich um ein ideelles Urbild aller Pflanzen.

    Die „subdialogischen Pflanzenzeichnungen“ entstehen als lebensgroße Bleistiftzeichnungen und, wie der Künstler bemerkt, „nur in ganz bestimmten Situationen“. Der Finke kein Mystiker, sondern ein Morphologe, ein Bilder und Umbilder organischer Natur ist, zeigt sich daran, dass er mit seiner Kunst nicht ein Scheinwissen vermitteln will, sondern es auf subtile Art darauf angelegt hat, nach und nach immer mehr Geheimnisse aufzuspüren. „Indem ich mich kontemplativ und meditativ auf das fokussiere, was an inneren pflanzlichen Informationen in mir vorhanden ist, nähere ich mich dem Sein der Pflanze“. Der Blick nach innen spiegelt sich als Welt im Draussen: Das Wurzelwerk wächst oben, wo sonst der Kopf steht, das Blattwerk treibt im Geschlechtsbereich seltsame Blüten.
    Sowohl die Pflanzenschrift als auch die Pflanzenzeichnungen können als Reaktion gegen die Naturlyrik der Romantiker verstanden werden, in der die Gefühle des Dichters auf die Natur projiziert werden.

     

    PflanzenSchrift 190; Drachenbaum, 30.9.2004


    Wenn Finke als Künstler mit der Natur arbeitet, dann interessiert er sich viel mehr für das Wesen der Dinge, so wie es Goethe darum ging, „die Genesen der Dinge aufzuspüren“. Es beschäftigen ihn die Phänomene selbst, nicht die Gefühle, die sie in ihm auslösen. Seine Kunst steht für Phänomene, die sich subversiv verhalten gegenüber der reinen Verstandesebene. Als Künstler bleibt er zugleich wissend und unschuldig. Er hört niemals auf zu staunen. Ginge die Fähigkeit zum Staunen verloren, gäbe es keine Kunst mehr.




    siehe auch -
    Kunstforum international Bd. 146 - Juli/August 1999
    Das Gartenarchiv Seite 75 und Seite 142/143

     

     

    Installation ELF-FELD

    besteht aus Rechner, Messanordnung, AD-converter und Graphik-Programm.
    Die Messanordnung arbeitet mit einem hochohmigen Differenzverstärker im Pico-Amperebereich, der die Spannungsschwankungen an Pflanzenblättern misst. Diese Messwerte generieren über den AD-Wandler und ein spezielles Zeichenprogramm im Rechner I die „PflanzenSchrift“.
    Die Messwerte stellen physiologisch bedingte Impulse der Pflanze dar und können mit den Ergebnissen einer Hautwiderstandsmessung verglichen werden.
    Am Rechner II (hier nicht zu sehen) erarbeitet der Künstler oder Rezipient die „Parallelzeichnung“.
    Das Konzept der „Parallelzeichnung“ ist es, der Pflanze in ihrer Äußerungsform der „PflanzenSchrift“ zu folgen und sie wie in einem kontrollierten Dialog zu hinterfragen.
    In der Konzepterweiterung werden eigene Setzungen erarbeitet und dabei beobachtet, wie weit die Pflanze dem Menschen folgt.

     

    PflanzenSchrift/ Parallelzeichnung 162; Drachenbaum/ H.Finke, 22.6.2004




    Gespräch über PflanzenSchrift
    Bettina Roggmann - Harald Finke
    26.7,1999

    Roggmann:
    Der längere Versuch, den es in Deinem Werk gibt, in einen Dialog mit der Natur einzutreten ist unter anderem geprägt von bestimmten Begriffsbildungen. Was macht für Dich den Unterschied zwischen den Begriffen Subdialog und Dialogversuch aus?
    Finke:
    Subdialog als Begriff benutze ich, um die Situation zu beschreiben, die eigentlich das Dialogische, also den tatsächlichen Dialog will, aber ihn nicht ohne weiteres erhalten kann, weil eben die Sprachlichkeiten besonders zwischen den unterschiedlichen Arten als Verständigungsmöglichkeit nicht gegeben sind. Wenn also zum Beispiel Mensch und Tier versuchen zu kommunizieren, zeigt sich dieses Problem schon deutlich. Und im pflanzlichen Bereich wird es noch eindeutiger, wenn der Mensch versucht in das Reich der Pflanzen hinein zu horchen und zu sprechen. Da gibt es anscheinend ersteinmal keine Antwort. Von daher hat sich für mich der Begriff angeboten, diese Situation einen unterschwelligen, vorerst einen Scheindialog zu nennen. Und so bot sich da beim Dialog später der Begriffzusatz des Sub an - also Subdialog.
    Roggmann:
    Der Begriff Subdialog unterstellt bereits, daß ein Dialog stattfindet, aber nicht auf der - ja, ich nenn das jetzt mal - auf der ersten Ebene. Ähnlich dem Begriffspaar Kultur und Subkultur, in dem auch der letztere eine kulturelle Äußerung bezeichnet.
    Finke:
    Die im Untergrund tätig ist - ja. Und hier ist es auch so, daß es untergründig ist - daß es unterhalb unserer uns bekannten Ebene abläuft. Der Begriff zielt auf intuitive Ebenen, die gegenüber der Verstandesebene subversiv gemeint sein sollen.
    Roggmann:
    Stellt dagegen der Begriff Dialogversuch in Frage, ob ein dialogisches Moment funktionieren kann? Oder setzen beide Begriffe, Subdialog und Dialogversuch voraus, daß es einen Dialog zwischen Mensch und Natur gibt?
    Aber es kann ja auch heißen, dieser Dialog hat Rahmenbedingungen, in dem die Dialogpartner ungleiche Voraussetzungen und ungleiche Verständigungsmöglichkeiten haben.

     

    PflanzenSchrift/Paralellzeichnung 163; Drachenbaum/ H.Finke, 23.6.2004



    Finke:
    Die Strukturen der verschiedenen Lebensbereiche sind bekanntlich sehr unterschiedlich. Und es ist davon auszugehen, daß die Sinnlichkeiten und Verständigungsmöglichkeiten der verschiedenen Bereiche nicht einfach füreinander zu öffnen sind. Solange nicht auf diese Gegebenheiten eingegangen wird, kann auch nichts ausgetauscht werden.
    Daraus resultiert ja auch die unterschwellig mitschwingende Frage, ob eine Kommunikation im artübergreifenden Bereich überhaupt möglich ist.
    Also ich antworte grundsätzlich auf diese Frage mit einem Ja.
    Roggmann:
    Würdest Du denn unterstellen, daß es einen Willen gibt zu der Kommunikation? - also auch aus den unterschiedlichen Bereichen der Natur heraus?
    Finke:
    Das ist schwer zu sagen, ob der Wille der Pflanzen vergleichbar ist mit dem menschlichen Willen. Das wäre ja schon ein Vorgriff - denn wenn ich versuche mich der Pflanze zu nähern und dabei die Vorstellung parat habe, daß da auch ein Wille in der Pflanze vorhanden ist, der meinem gleicht, dann projeziere ich ja schon wieder nur meine Sehweise.
    Roggmann:
    Wobei das als Ausgangspunkt ja seine Berechtigung hat zu fragen, was mach ich da eigentlich mit der Pflanze?
    Finke:
    Wir befragen ja die Pflanze ständig nur aus anthropozentrischer Sicht. Kann es einen Willen geben im Pflanzenbereich, der mit uns in unserer Art und Weise kommunizieren will, sich austauschen will?
    Ich persönlich stelle diese Frage nicht.
    Roggmann:
    Das finde ich wichtig als Klärung, also auch als Abklärung des Weltbildes, weil Du damit eine bewußt offene Haltung gegenüber der Natur einnimmst. Verwendest Du deshalb den Begriff des Versuchs eines Dialoges?
    Finke:
    Ja, da setzt für mich der Begriff Versuch, der Dialogversuch eigentlich erst ein. Dieser Begriff konzentriert sich einerseits auf die menschliche Seite, denn der Mensch ist ja Ausgangspunkt und Fragesteller zugleich und hat die Möglichkeit zu sagen, gut, ich versuch jetzt einmal eine Frage. Aber es muß sich deshalb noch lange nicht eine verständliche Antwort ergeben, die von der anderen Seite kommt.

     

    PflanzenSchrift/Parallelzeichnung 166; Drachenbaum/ H.Finke, 22.7.2004


    Für mich ist es zunächst wichtig, daß überhaupt eine Frage gestellt werden kann und das in dieser dezidierten Art und Weise, wie es zum Beispiel in der Installation ELF-FELD geschieht.
    Also das heißt die Pflanze wird dabei als eigenständiges Lebewesen betrachtet, das keineswegs in irgendeiner hierarchischen Ebene unterhalb oder über dem Menschen existiert.
    Und an die Messanordnung angeschlossen, sowie an den Rechner, kann der Benutzer der Anlage beobachten welche Impulse sich an der Pflanze zeigen. Und das reicht mir, um es als Dialog-Versuch anzusehen, weil damit nur ansatzweise in das fremdartige Gegenüber Pflanze hineingefragt wird.
    Es wird eben nicht wie in der Wissentschaft ein experimenteller Aufbau benutzt, der ganz bestimmte Antworten auf bestimmte Fragen verlangt. Das wäre für mich eine eher zwanghafte Dialogform.
    Roggmann:
    Dennoch hat diese Anordnung auch einen wissenschaftlichen Charakter. Das Elf-Feld unterscheidet sich von Deinen bisherigen Arbeiten, weil hier ein hohes Maß an Technik eingesetzt wird, die bestimmten Regeln unterworfen ist. Mit dem PC-Programm, daß für die Anordnung geschrieben wurde, nimmst Du Einfluß auf die Annäherung: Die Visualiseirung der Impulse, die von der Pflanze ausgehen - die Pflanzenschrift - hätte auch eine Meßkurve sein können. Allein die Art des Programms läßt sie als immer wieder ansetzende Linie erscheinen. Sicher wäre andererseits die Verbildlichung der Pflanzenschrift in Form einer Meßkurve für Deine künstlerische Antwort kaum interessant.
    Aber machst Du durch den Einfluß des Programms Deine Arbeit mit der Pflanze - den Dialogversuch - nicht auch angreifbar?
    Finke:
    Ich möchte schon betonen, daß in dieser künstlerischen Anordnung Gewicht auf Genauigkeit gelegt wird, soweit es technisch machbar und sinnvoll ist. Und es kann auch relativ eindeutig erklärt werden wie an der Pflanze gemessen wird und was mit den Messergebnissen geschieht. Ebenso ist nachvollziehbar was mit dem Computer-Program „flanz 201“ bewirkt wird.
    Den Techniküberhang nehme ich nicht so wichtig. Wichtiger ist mir, daß meine künstlerische Intention überhaupt wahrgenommen wird - daß mit einer Pflanze auf bestimmte Art und Weise kommuniziert werden kann, und die Pflanze dabei als gleichwertiger Partner angesehen wird.
    Im Moment kann dies alles vielleicht am besten im Bereich der Kunst über eine technische Installation vermittelt werden. Wobei die Authentizität der Ergebnisse aus dieser Messanordnung natürlich auch eine wichtige Rolle spielen, nur nicht dieselbe wie etwa im wissenschaftlichen Bereich.

     

    PflanzenSchrift/Parallelzeichnung 168; Kammeuphorbie/ H.Finke, 25.7.2004


    Wenn andereseits die Pflanze durch eine konventionelle Zeichnung abgebildet wird und diese Zeichnung als Reflexionsebene genutzt wird, wie das in meinen frühesten Arbeit auch geschah - da hab ich das Abbild des Baumes auch tatsächlich am Baum gelassen, die Zeichnung an den Baum geheftet, wie eine Art Befragungsaktion. Ich wollte herausfinden, was nach der zeichnerischen Aktion eigentlich passiert, was mit dieser Zeichnung zum Baum zurückgetragen werden kann? - dann entsteht die Frage, was hat die Zeichnung überhaupt mit dem Baum zu tun? Oder etwas simpler - was macht der Baum mit der Zeichnung?
    Das waren einerseits erste Dialogversuche, andererseits war das die Suche nach neuen Fragestellungen. Wie weit kann es überhaupt einen Austausch geben und das nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch zwischen den unterschiedlichen Arten, wie zum Beispiel zwischen Mensch und Pflanze?
    Heute wird dieses ursprüngliche Motiv immer noch bearbeitet, auch in der hochtechnisch ausgestatteten Anlage wie ELF-Feld. Ich thematisiere, wie gesagt, dabei nichtdie Technik der Anlage, also Messanordnung und Computer, sondern mich interessiert hauptsächlich die Frage, wie weit kann ich mich dem Phänomen und Partner Pflanze annähern?
    Roggmann:
    Zentrales Motiv Deiner Arbeit ist und war demnach der Dialog.
    Finke:
    Das Dialogische ist von Anfang an das Motiv in meiner Arbeit gewesen. Ich versuchte immer wieder die Signale, die ich abgab in den Reaktionen des Gegenüber zu verfolgen. Und ich versuchte zu erkennen, welche Reaktionen meine Signale und Zeichen im Gegenüber auslösten, welche Antwortzeichen sie sozuagen auslösten. So ergab sich immer wieder die Frage-Antwort-Ebene.
    Inhalt meiner Arbeit blieb damit eigentlich ständig das Dialogische, das heute mehr und mehr zum artübergreifenden Kommunikationsversuch wird.
    Roggmann:
    Inwieweit ist es bedeutend für Dich, ob der Dialogversuch gelingt, ob wirklich eine Kommunikation mit Elementen der Natur stattfindet?
    Die PflanzenSchrift der Installation ELF-FELD zum Beispiel, läßt, wie wir schon vorher andeuteten, die Frage aufkommen, ob sie wirklich von der Pfanze hervorgebracht wurde?
    Es ist ja die Frage, ob sie nicht allein durch Deinen Einfluß als Künstler hervorgerufen wurde - und Du wie ein Maler eine zweite Natur erfindest?

     

    Pflanzenschrift/Parallelzeichnung 172; Drachenbaum, H.Finke, 13.8.2004


    Finke:
    Das, glaube ich, ist eher die Problematik der Sprachfindung schlechthin. Wenn ich der Pflanze nichts anbiete, werde ich auch nichts zurückbekommen. Da hier der Pflanze etwas Zeichenhaftes angeboten wird, was auf jeden Fall für sie so noch nicht vorhanden ist, hat die Pflanze auch die Möglichkeit auf meine Zeichensetzungen ebenso unvoreingenommen zu reagieren. Deshalb kann ich die PflanzenSchrift nicht als meine alleinige Hervorbringung erkennen, denn das Wichtige ist für mich, daß meine künstlerische Äußerung auf Austausch mit der Pflanze abzielt.
    Meine Zeichenvorgabe befindet sich schlicht auf der Ebene einer vorläufigen Form, die als Angebot in den Raum gestellt ist. Ich meine damit die Messanordnung und das Programm samt dem Rechner und den Vorformulierungen oder besser den Angeboten des technischen Bereichs.
    Die Pflanze reagiert vorerst mit ihrem Elektropotential auf diese Angebote und verändert meine vorläufigen Formen und Vorgaben. Das ist für mich etwas wie ein Antworten der Pflanze.
    Aber es kann natürlich auch noch weiter gehen, wie in den subdialogischen Pflanzenzeichnungen. Da ergibt sich wieder über den eher monologischen Kreativitätsprozess eine andere Verbindung zur Pflanze. Diese Verbindung hat mit dem inneren Pflanzenbild zu tun, das von der äußeren Pflanze in mir hervorgerufen wird durch die besonderen Erfahrungen aus dem Bereich der PflanzenSchrift.
    Also einmal möchte ich mit der PflanzenSchrift Antworten von der Pflanze mittels technischer Hilfsmittel erhalten, die auf möglichst empathische Art und Weise entstehen.
    Das andere Mal bringe ich mit der subdialogischen Pflanzenzeichnung mein inneres Bild von meinem pflanzlichen Gegenüber zu Papier. Und ich lasse mich dabei, wie es mir scheint, von der Pflanze auf sympathetische Art und Weise führen.
    Mit dem Begriff zweite Natur oder zweite Schöpfung habe ich große Probleme. Da diese Begriffe auch im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz benutzt werden und allgemein eine sehr agressive Ideologie der ersten Schöpfung gegenüber ausmachen, möchte ich sie nicht benutzen.
    Mich interessieren nicht so sehr die Positionen Technik ist Kultur oder Technik ist Kunst oder Kunst ist Kunst, sondern eher die Position Kunst ist Leben.

     

    PflanzenSchrift/Parallelzeichnung 176; Drachenbaum, H.Finke, 20.8.2004



    Roggmann:
    Also das heißt, Dir geht es auch ganz dezidiert um soziale Funktionen.
    Finke:
    Also die Funktion des Sozialarbeiters in der Kunst ist für mich schon sehr ausschlaggebend, denn ohne diese Funktion läuft alles immer wieder nur auf das Finden von Gestzmäßigkeiten heraus und winzig kleine kunstimmanente Schrittchen. Andererseits sind alle drei Bereiche, die in dem Ausstellungsthema Eremit? Forscher? Sozialarbeiter? auf den Punkt gebracht wurden, eigentlich gleichwertig zu benutzen. Denn ohne keinen der drei Bereiche kann meines Erachtens der Künstler auskommen. Der Forschungsbereich ist für mich klar umrissen, wie der des Sozialarbeiters. Und die Eremitage deutet hin auf die Wichtigkeit der Kontemplation, auf die Wichtigkeit der Besinnung und der Reflexion.

    Das Gespräch stammt aus der Publikation
    "PflanzenSchrift - subdialogische Pflanzenzeichnung", Agathenburg, 1999
    ISBN 3-9806197-3-7

    Bettina Roggmann ist Leiterin der Institution
    Kulturstiftung
    Schloß Agathenburg
    Hauptstraße
    21684 Agathenburg